Hundemythen und die Wahrheit - Kampfhunde sind immer aggressiv

Wer kennt sie nicht, die Mythen? Obwohl x-mal falsifiziert, bewiesen und erklärt halten sie sich hartnäckiger als die schlimmsten Rotweinflecken. Über das Wesen, die Erziehung und das Verhalten unserer bellenden Freunde gibt es viel zu viele davon! Nun will ich den nächsten Mythos, diesmal über Erziehung und Rassen, aufklären.

Ein sehr "beliebter" Mythos, der noch heute viele Menschen in Angst und Schrecken versetzt, obwohl die Regelungen mit Listenhunden langsam gelockert werden.

Listenhunde sind Rassen, die auf der Liste der verbotenen Rassen bzw Rassen mit besonderen Regulierungen (zB Wesenstest, Leinenpflicht...) stehen und als aggressiv oder potentiell aggressiv gelten. Diese werden in Deutschland von den Ländern selbst geregelt und variieren daher. Unter den Listenshunden sind sowohl die bekannten „Kampfhunde“ wie Pitbull Terrier, Rottweiler, Staffordshire Bullterrier und co als auch weniger bekannte Hunde wie Mastiff oder Dogo Argentino.

Die Angst schlägt allerdings nur auf die bekannten „Kampfrassen“. Ist eine Rasse nicht als gefährlich bekannt da zB nicht häufig anzutreffen, so werten die Leute den Hund nach eigenen Vorlieben mit schön, süß, sabbert... . Auch die Medien nutzen nur die bekannten Rassen (oftmals wird in den Medien aus einer Englischen Bulldogge ein Bull Terrier, oder aus einem schwarzen Labrador ein Rottweiler) ein, da dies die Leser (leider) hören wollen. Eine unbekannte Kampfrasse oder gar eine andere Rasse (Pudel, Yorkshire Terrier, Golden Retriever...) würde nicht den gewünschten Effekt (Aufruhr, Hass, Angst, Empörung...) nach sich ziehen.

Interessanterweise sehen viele Leute auch andere Rassen als nur die Listenhunde als aggressive Kampfhunde, wie den Deutschen Schäferhund oder einige auch Doggen.

 

Doch woher stammt dieser Mythos?

Viele dieser Rassen wurden tatsächlich einmal als Kampfhunde missbraucht, und wird es heute noch. Doch eigentlich traf dieser Missbrauch viel mehr Rassen, da praktisch jeder Hund aggressiv gemacht werden und in den Ring gebracht werden konnte.

Einige Rasse haben sich allerdings aufgrund ihres Körperbaus und ihrem Charakter als besonders geeignet erwiesen, zB der Pitbull. Das ist ein sehr düsteres und schockierendes Kapitel in der Geschichte der Rasse. Obwohl es anfangs Arbeitsrassen waren, treu, gehorsam und lieb, die auf Höfen das Vieh trieben, ähnlich dem Appenzeller Sennenhund, wurde viel zerstört.

Der Rottweiler war ebenfalls ein treuer Arbeitshund und das wertvollste was sein Besitzer hatte. Diese Hunde trugen extra breite Halsbänder, in denen sich das Geld des Besitzers verbarg. Wer an das Geld musste, musste zuerst den Hund töten, doch das war schwerer als ein Einbruch. Auch der Rottweiler trieb Vieh, bewachte Hab und Gut und diente als kräftiger Zughund, wie auch die Schweizer Sennenhunde.

Also hat es für einige Rassen einen Grund, sie Kampfhund zu nennen. Doch um ehrlich zu sein, nur wenn man über ihre Vergangenheit redet.

Durch falsche Zuchtauslese kam es zu Wesensschwächen die für einen Kampfhund erwünscht waren. Doch schon lange bemühen sich verantwortungsvolle Züchter um ein Umschwenken. Kommt ein Hund aus einer verlässlichen Zucht, so wird dieser nicht an den oben genannten Wesensschwächen leiden. Ein Hund aus Hinterhofzuchten und Massenvermehrung wird eher mit Wesensschwächen zu kämpfen haben, unabhängig von der Rasse.

 

Eines ist jedoch klar: Kein Hund wird aggressiv geboren. Doch eine Rasse hat einen bestimmten Grundcharakter, welcher durch die Gene bestimmt wird. Daher achtet ein guter Züchter nicht nur auf das Äußere bei der Wahl der Hunde, sondern auch auf deren Charakter, denn dieser wird mitvererbt. So hat jede Rasse einen bestimmten Nenner im Interieure. Doch wie der Hund sich entwickelt hängt vom Halter, der Erziehung und der Haltung ab. Man sagt, 20% des Charakters wird durch die Gene, 80% durch Prägung und Erziehung bestimmt. Den Großteil der Verantwortung für das Wesen seines Hundes trägt demzufolge der Halter selbst, und nicht die Rasse!

 

Es gibt Rassen mit einer niedrigen Reizschwelle. Diese Hunde neigen eher dazu, Konflikte durch Aggression zu lösen. Durch korrekte Erziehung und grundlegende Sozialisierung bereits im Welpenalter ist wichtig, ebenso wie eine klare und vertrauenswürdiige Führung des Halters (wie eigentlich bei allen Hunden), dass die Reizschwelle erhöht wird. Durch falsche Führung, schlechte Sozialisierung und mangelnde Erziehung kann auch aus einem Pudel, Chihuahua oder Labrador ein (angst-)aggressiver Hund werden!

 

Schaut man sich die Beisstatistiken an, so erfährt man ziemlich erstaunliches. Obwohl die Statistiken variieren, so sind doch oftmals Familienhunde für die meisten Bisse verantwortlich. Und wie wir nun wissen, liegt das nicht an der Rasse, den Genen, sondern an den Besitzern.

 

Das Bild des Kampfhundes muss aus unserer Gesellschaft verschwinden. Es zeugt davon, dass wir trotz Zensierung des Begriffes „Neger“ immer noch zu Rassismus neigen, uns Sündenböcke suchen.

 

Liebe Grüße,

Alex und Kampfschmuser Lea

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