Leckerchen - Ja? Nein? Wie sinnvoll einsetzen?

Leckerchen sind wohl die erste Belohnung an die man denkt. Es geht fix und Hundi freut sich, ohne großen Aufwand. Gleichzeitig stehen viele Leute dem Einsatz von Leckerchen skepisch gegenüber. Leckerchen, soweit sinnvoll eingesetzt, können die perfekte Belohnung darstellen. Falscher Einsatz kann sogar schädlich sein. Aber wann gilt jetzt was?

Die Belohnung mit Futter in Form von Leckerchen, spricht ein Grundbedürfnis des Hundes an. Fressen ist selbstverständlich wichtig fürs Überleben, es lohnt sich daher daffür zu arbeiten.

 

Regel Nummer eins bei der Futterbelohnung ist die Menge an Leckerchen von der Tagesration abzuziehen, um Übergewicht vorzubeugen. Denn das führt zu ähnlichen Gesundheitsschäden wie beim Menschen.

 

Desweiteren sollen die Leckerchen gut vertragen werden. Am besten sind natürlich gesunde Leckereien. Doch hier ist bereits das erste Problem: die meisten im Handel erhältlichen Leckerchen bestehen zum Großteil aus Getreide, welches schwer verdaulich ist. Zudem sind viele chemische Zustätze enthalten. Im Internet findet man normalerweis: e besser geeignete Hundekekse, da die Auswahl größer ist. Am besten ist jedoch immer noch sich selbst in die Küche zu stellen und zu backen. Man weiß was drin ist, und kann auf die Vorlieben und die Verdauung des eigenen Hundes entsprechend reagieren und backen. Es dauert auch gar nicht lange und ist um vieles billiger als die Nascherei aus dem Handel! Hier ist ein sehr gutes Rezept: Leber-Cracker Ich habe auch ein paar Rezepte zusammen gestellt: Leas Lieblingsleckerchen

Zu welcher Leckerei man nun greift, muss jeder Hundehalter selbst für sich und seinen Hund entscheiden.

 

Hundeleckerchen müssen nicht groß sein! Viele im Handel haben schon eine beachtliche Größe. Ich selbst breche diese mehrmals durch. Obwohl Lea ein großer Hund ist, reicht es wenn die Leckerchen ungefähr so groß sind wie der kleine Fingernagel. Für sehr gute Leistungen bekommt sie einen Jackpot, entweder ein größeres Leckerchen, oder mehrere kleine. Der Hund soll ja nicht satt werden vom Training! Gerade beim Clickern kann es vorkommen, innerhalb von 5 Minuten die gesamte Tagesration an Keksen zu verclickern. Daher sind kleine Leckerchen von Vorteil.

 

Wenn man viel clickert, so spricht nichts dagegen, das Trockenfutter des Hundes als Leckerchen zu verwenden. Auf diesem Weg erhält Lea meistens ihr Trockenfutter. Es spricht nichts dagegen den Hund für Futter arbeiten zu lassen. In Natur müssen Tiere auch etwas für ihr Fressen tun, also kann man das gerne übernehmen. Lea und ich fahren sehr gut ohne oder nur mit kleinem Frühstück, und der Rest kommt beim Training und beim Gassi gehen.

Bei Rassen bei denen die Gefahr einer Magenumdrehung besteht, hilft die Handfütterung das Risiko zu minimieren, da der Hund über den Tag verteilt viele, viele Portionen bekommt. Mal eine Hand voll Leckerchen, mal nur drei beim Spaziergang. Des Magen ist dadurch nicht so voll.

 

Man muss sich jedoch überlegen wann der Einsatz von Leckerchen sinnvoll ist.

Nehmen wir an, man will seinem Hund einen Trick beibringen, der viel Impulsion benötigt und mit Action zu tun hat, zb der Sprung über das Bein. Nur bei wenigen Hunden würde ich Leckerchen als Belohnung empfehlen. Besser ist meistens ein Spiel, da der Hund bereits in einer gewissen Erwartungshaltung ist (Spielzeug = Spiel = Powern), und er viel schöner und motivierter abspringen wird. Beim Absprung wird das Spielzeug in die Richtung des Sprunges geworfen. Dadurch lernt der Hund weiter gerade aus zu laufen, und nicht direkt nach dem Sprung zu stoppen um das Leckerchen zu holen. Der Stop ist auf Dauer nicht gut für die Gelenke.

Ein Hund der aus dem Spiel mit Freunden abgerufen wird, hat in dem Moment weniger das Bedürfnis zu fressen, als zu spielen. Der Hund ist meist noch gepuschet vom Spiel, Futter ist oft Nebensache. Warum sollte man nicht selbst zu einem Spiel starten? Dadurch würde der Hund lernen, dass er seinen Freunden ruhig den Rücken zudrehen kann, denn mit Herrchen/Frauchen kann man auch super spielen.

Will man dagegen ruhige Tricks beibringen, wie zB das tot spielen, so sind gute Leckerlies oft hinderlich. Der Hund kann nicht ruhig liegen bleiben in Erwartung auf den Leckerbissen. Weniger gute, vor allem weniger duftende Leckerein sind hier die bessere Wahl, oder gar zum Streicheln als Belohnung greifen. Das ist eine ruhige Belohnung, überaus angenehm und bringt Ruhe ins Training.

Also muss der Einsatz von Leckerchen individuell auf den Hund und auf das Ziel des Trainings abgestimmt werden.

 

Viele Hundehalter möchten allerdings, dass ihr Hund ihnen auch ohne Leckerchen folgt, sondern einfach weil er gerne folgt. Dadurch verzichten viele völlig auf den Einsatz von Keksen, und verpassen dadurch einen ganz tollen Aspekt.

Leckerchen soll es nur am Anfang für jedes brav ausgeführte Kommando geben, bis sich dieses gefestigt und generalisiert hat. Danach kann man die Gabe von Leckerchen verringern. Auch kann man den Hund dann durch Schmusen oder Spiel belohnen. Der Hund soll im Verlauf auch ohne ständige Belohnung brav auf das Kommando reagieren.

Doch was wäre, wenn der Hund trotzdem mal ein Leckerchen bekommt? Oder eine intensive Kuscheleinheit? Oder ein Spiel? In unregelmäßigen Abständen? Das wirkt überaus motivierend da der Hund nie weiß wann er belohnt wird. Auch frischt man das Wissen "Es lohnt sich zu folgen!" jedes mal aufs neue auf. Ständige Gabe von Leckerchen dagegen wirkt auf Dauer nicht motivierend. Der Hund weiß nähmlich dass er einen Keks bekommt und wird daher entscheiden ob es ihm der Keks nun wert ist, oder ob er doch lieber etwas anderes macht was ihm grad wichtiger ist. Wir die Belohnung noch variiert (Futter, Spiel, Schmusen) dann ist die ganze Sache noch interessanter, der Hund wird motivierter sein und gespannt auf das nächste Kommando warten. Der Hund hat (hoffentlich) in der Erziehung und im Training gelernt, dass es sich für ihn lohnt zu folgen. Er hat gelernt dass es Spaß macht mit ihnen etwas zu unternehmen und bei ihnen zu sein. Dadurch wird er ohnehin gerne gehorsam auf Kommandos reagieren, doch die Motivation kann sinken. Darum ist unregelmäßiger Einsatz von Belohnung, unabhängig von der Art, sehr sinnvoll. Es spricht nichts dagegen den Hund nicht nur für außergewöhnliche Leistungen zu belohnen zB für das Abrufen aus dem Spiel oder für ein tot spielen im Bus, sondern auch mal für ein gut ausgeführtes Sitz. Denn auch diese normalen Kommandos sollen motiviert ausgeführt werden.

 

Bei der Gabe von Leckerchen gibt es jedoch zwei kleine Unterschiede, mit großer Wirkung!

Ich kann entweder das Leckerchen so aus der Tasche holen dass der Hund es bemerkt und es ihm zeigen. "Schau mal was ich leckeres habe!" Danach gebe ich das Kommando "Hier!". Der Hund wird jetzt entscheide ob es sich lohnt zu ihnen zu kommen, oder ob er nicht lieber weiter schnüffeln will. Das ist falscher Einsatz von Futter! Es verursacht zusätzlich noch Stress beim Halter, da sich dieser nicht sicher sein kann, ob der Hund nun wirklich kommt oder nicht. Der Hund lernt nicht dass es sich lohnt zu folgen, er lernt nur, dass er folgen kann, wenn er Hunger hat. Das ist nicht das was wir wollen!

Ich kann es aber auch anders machen. Ich rufe meinen Hund zu mir. Kommt er, so greife ich in die Tasche und gebe ihm ein Leckerchen. "Das hast du sehr gut gemacht und dafür bekommt du einen Keks!" Der Hund wiegt nicht ab ob es sich lohnt oder nicht. Über ein gut aufgebautes Abruftraining wird er zuverlässig kommen, doch er weiß nicht ob und wie er belohnt wird. Er weiß nur, dass es sich lohnt zu kommen. Auch ohne Leckerchen, Spiel oder Streicheln kann ich meinen Hund immer verbal mit einem "Fein!" oder "Brav!" loben. Dadurch lohnt es sich immer für den Hund. Da er durch sein Unwissen nicht abwiegen kann ob es sich in dem Moment nun lohnt oder nicht, es jedoch motiviert und Spannung erzeugt, wird er zuverlässig kommen. Der Halter ist entspannt und reagiert mit seiner Belohnung entsprechend auf die Reaktion des Hundes.

 

Leckerchen sind nicht sinnvoll um den Hund zu beruhigen. Hat ein Hund zB Angst in der Straßenbahn, so ist es falsch ihn mit Keksen zu füttern. Er wird in seinem unsicheren Verhalten bestärkt. "Es ist richtig dass du Angst hat!" Dadurch wird der Hund nicht sicherer. Ist der Hund jedoch einen Moment etwas entspannter, so kann man ihn dafür belohnen, und ihm dadurch den richtigen Weg zeigen.

Ähnliches gilt für Aggressionen.

Den Hund kann man allerdings durch Futter ablenken. Ist ein Hund anderen Artgenossen aggressiv gegenüber, so kann man auf Abstand gehen und den Hund durch Futter ablenken. Er sieht den anderen Hund, konzentriert sich jedoch auf Futter und Halter und wird für die Konzentration belohnt. Er wird zeigt kein aggressives Verhalten und wird darin bestärkt.

 

Leckerchen können die besten Hilfsmittel in der Hundeerziehung sein, aber auch die größten Feinde. Daher ist immer auf die Situation, die Ziele und den Hund individuell abzustimmen, ob es nun sinnvoll ist oder nicht.

Liebe Grüße,

Alex mit Lea

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